10 Jahre nach Lehman – TSI Kongress 2018 am 27. und 28. September in Berlin zu Ende gegangen mit über 650 Teilnehmern

Elf Jahre nach Ausbruch der Subprime-Krise und zehn Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman jährte sich der TSI Kongress in Berlin zum zwölften Mal. Mit über 650 Teilnehmern war er der größte Kongress in seiner Geschichte.

Folgende Themenbereiche beherrschten die Debatte:

  • Wie setzt man die neuen Verbriefungsregeln adäquat um?
  • Was wird aus den Conduitprogrammen der Banken, gibt es Alternativen zur Verbriefung von Handelsforderungen?
  • Wie wird die Blockchain-Technologie die Wertpapier- und Verbriefungsmärkte zukünftig prägen?
  • Welche Markttrends werden die Verbriefung von Autofinanzierungen zukünftig prägen?
  • Was bringt der Brexit für die Finanz- und Verbriefungsmärkte mit sich?
  • Wie werden sich Fintechs in den Wertschöpfungsketten der Finanzmärkten etablieren?
  • Und was sind zehn Jahre nach der Lehmann-Pleite die aktuellen Risiken in den Finanzmärkten?

Der Kongress eröffnete mit dem Thema "Die Kapitalmärkte zwischen Bangen und Hoffen: Zentralbankpolitik, Protektionismus, Geopolitik und die Zukunft von Euro und Europa" moderiert von dem Deutschland-Chef von Moodys, Jens Schmidt-Bürgel. Mit ihm diskutierten Hans W. Reich, Aufsichtsratsvorsitzender, Citigroup Global Markets Deutschland AG, Prof. Dr. Gunther Schnabl, Institute for Economic Policy Universität Leipzig, Werner Steinmüller, Vorstandsmitglied Deutsche Bank AG, zuständig für das gesamte Asiengeschäft der Bank und Michael Theurer, FDP, Mitglied des Deutschen Bundestages und bis Ende 2017 Mitglied des Europäischen Parlamentes.

Das Panel startete mit einem Rückblick. Wie hatten die Panelteilnehmer den Zusammenbruch von Lehman Brothers vor genau zehn Jahren erlebt? Eindringlich schilderten Hans Reich, der zu dieser Zeit Aufsichtsratsvorsitzender einer großen Hypothekenbank war, und Werner Steinmülller, der zu dieser Zeit das Transaktionsbanking der Deutschen Bank verantwortete, wie die Geld- und Finanzmärkte über Nacht auszutrocknen drohten, keiner mehr keinem vertraute, und nur durch beherzte Maßnahmen von Staaten und Zentralbanken das Finanzsystem gerettet werden konnte.Im Anschluss stand die Frage im Raum, wie die Regulierungen bewertet werden.

Zusammenfassend kann man resümieren, die Regulierungen schränken zwar den Aktivitätsspielraum der Banken drastisch ein, haben aber in Kombination mit der Zentralbankenpolitik dazu beigetragen, dass die hohe Liquidität am Bankensystem vorbei in die Märkte strömt.

Sehr ambivalent bewerteten alle die Zentralbankpolitik. Die Zentralbanken haben, wie Gunther Schnabl ausführte, die Krise zwar kurzfristig gestoppt, aber dies um den Preis die Basis für eine spätere Krise gelegt zu haben, wie es bereits 2000 nach der Dotcom-Krise geschehen sei. Neue Blasen seien im Entstehen, so Schnabl, diesmal nicht im Banken-, sondern im Unternehmenssektor durch die "Zombiefizierung" breiter Teile der Unternehmenslandschaft, vor allem in Südeuropa. Marktaustritte würden vermieden um den Preis sinkender Produktivität und stockendem Strukturwandel.

Übereinstimmend wurde von allen die mit der Zentralbankpolitik einhergehende Assetinflation im Bereiche der Aktien- und Immobilienmärkte als Gefahr für die Wirtschafts-, aber auch politische Stabilität betrachtet. Auch der Strukturwandel im Finanzsystem, der mit den neuen Regulierungen und der Geldpolitik einhergeht, weg von der Banken und hin zur Kapitelmarktfinanzierung sei, so Hans W. Reich, von Politik und Öffentlichkeit hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die Wirtschaftsfinanzierung noch nicht richtig begriffen und erfasst worden. Den aufkommenden Protektionismus sah man durchweg kritisch; was China an Exporten in die USA fehlt gehe, so Reich, zu Lasten der Importe von den Emerging Countries, denn insgesamt sei Chinas Leistungsbilanz ausgeglichen. Auch die Gefahr von Währungskriegen könne eine Folge der US-protektionistischen Politik sein.

Der weitere Kongressverlauf stand nun ganz im Zeichen der aktuell die Asset Based Finance bewegenden Themen: Am 1. Januar 2019 kommt die neue Verbriefungsregulierung zur Anwendung. Vier Jahre wurde intensiv an ihr gearbeitet, EU-Kommission, Rat und Parlament haben sich in dieser Zeit eingehend mit dem Thema auseinandergesetzt. Und obgleich die neue Verordnung ein Problem adressiert, das in Europa auf Originatorenseite so nie bestand -europäische Verbriefungen waren immer hochwertig- ist es doch das Ziel der Kommission sicherzustellen, dass sich investorenseitig die Fehler der Zeit vor 2007 zukünftig nicht wiederholen.

Um dies zu gewährleisten wurden detaillierte Anforderungen formuliert an hochwertige standardisierte, einfache und transparente Verbriefungen. Die neue Verordnung bringt Chancen, aber zunächst auch viel Unsicherheit für den Verbriefungsmarkt, denn es gilt die vielen -notwendigerweise unbestimmten, da ganz Europa abdeckenden- Kriterien rechts- und anwendungssicher zu interpretieren und umzusetzen.

Keine Frage: drei Monate bis zur Gültigkeit ist dies das beherrschende Thema im Markt, was sich auch an dem hohen Interesse der Teilnehmer an den entsprechenden Panel zur STS-Umsetzung im Bereich der Conduit- und Term-Transaktionen ausdrückte.
 

Bei den Termtransaktionen stehen in Deutschland naturgemäß die Auto-ABS Themen im Vordergrund. Bei dieser Assetklasse schaut man gelassener auf die neue Regulierung, denn die meisten Anforderungen waren auch schon in der Vergangenheit Bestandteil von Auto-ABS Transaktionen. So hat im Rahmen des Kongresses VW in einem Pressehintergrundgespräch seine neue Driver fifteen Transaktion vorgestellt, die bereits heute nach den Maßgaben von STS strukturiert wurde. Bei den ABCP-Themen herrscht hingegen weiterhin noch hohe Unsicherheit. Besonderes Interesse fanden daher jene Panels, die sich mit der Verbriefung von Handels- und Leasingforderungen beschäftigten. Gerade in jenen wirtschaftsnahen Verbriefungen der deutschen Industrie und des Handels sowie der Leasingwirtschaft, das war der Tenor der Diskussionen, sind noch viele Fragen offen und die Unsicherheit bei allen Beteiligten ist noch groß, da die Regulierung den Verbriefungsmarkt ausschließlich durch die "Bankenbrille" betrachtet. 

Doch neben diesen, eng mit der Verbriefung verbundenen Themen, fanden mehr und mehr auch die neuen Technologien wie Blockchain, Asset Based Crypto Currency Finanzierungen und die neuen Wettbewerber wie Fintechs die Aufmerksamkeit der Teilnehmer. 

Des Weiteren wurden in mehreren weiteren Veranstaltungen Themen betrachtet, die die Wirtschaftsfinanzierung im Fokus hatten. So wurden die Implikationen von Basel IV auf die Mittelstandsfinanzierung, die Bedeutung der Zinswende für die Unternehmensfinanzierung, die Frage des Kapitalmarktzugangs für SMEs, die Strategien der Fintechs in der Unternehmensfinanzierung und neue Formen der Asset Based Finance Finanzierung für Unternehmen betrachtet. 

Jenseits der klassischen Verbriefungsthematik gab es auf dem TSI Kongress 2018 weitere Asset Backed Finance Themen, die im Markt zunehmendes Interesse finden. Dazu gehören Kreditfonds, gemanagte CLOs, Flugzeugfinanzierungen die Verbriefung von Staatsanleihen sowie die Verbriefung von NPLs. Aber auch die altbewährten Asset Backed Instrumente wie Leasing, Factoring, Covered Bonds wurden behandelten fanden hohen Zuspruch bei den Zuhörern. 

Die Stimmung unter den Teilnehmern war trotz der teilweise schwierigen regulatorischen Diskussion sehr gut und es wurde in und außerhalb der Panels viel angeregt diskutiert, sich ausgetauscht und Kontakte geknüpft. Sowohl die deutsche als auch die internationale Aufsicht war mit zahlreichen Vertretern vor Ort.

Der Kongress schloss nach eineinhalb Tagen und 35 Workshops und Panels mit dem Thema "Strukturwandel als Chance: Doch wer finanziert die E-Mobilität, den digitalen Wandel und die grüne Erneuerung?" Unter der Moderation von Matthias Renner, Head of Division Investment Banking, Raiffeisen Bank International diskutierten Dr. Levin Holle, Abteilungsleiter Finanzmarktpolitik, BMF, Helmut Meier-Tanski, Leiter Konzern- Treasury, Deutsche Leasing, Arne Mühlholm, Member of the Board of Management, SEB AB Frankfurt Branch und Dr. Volker Treier, Stv. Hauptgeschäftsführer & Leiter International I AHK, DIHK. Mit dem Strukturwandel wachsen die Finanzierungsbedarfe. Obgleich E-Mobilität, digitaler Wandel und grüne Erneuerung im Kern keine neuen Themen sind stellen sich doch vielfältige Fragen im Hinblick auf dessen Finanzierung. Denn schließlich ist Deutschlands Kapitalmarkt wenig ausgeprägt und die Bankenfinanzierung durch die Bankenstruktur, aber auch die regulatorischen Rahmenbedingungen nicht optimal auf den kommenden Strukturwandel ausgerichtet.

Der TSI Kongress erwies sich ein weiteres Mal als zentrale Plattform zum Austausch, Diskussion und der Erweiterung des Netzwerkes und wie ein Kongressteilnehmer es einfach auf den Punkt brachte: "Für mich die beste Veranstaltung zum Thema Asset Based Finance. Im nächsten Jahr bin ich sicher wieder dabei!" Und auch für alle anderen schon einmal zum Vormerken: TSI Kongress 2018 am 26. und 27. September 2019 in Berlin.

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