TSI Congress 2020
TSI Congress 2020
TSI Congress 2021
Berlin onsite & globally online
30 September & 1 October 2021
Themen +++ Corona als Katalysator des Strukturwandels +++ Sustainable Finance als neuer Game Changer +++ Qualität und Transparenz wichtiger denn je +++ Banken und Finanzmärkte vor neuen Herausforderungen +++ Weitere Infos

TSI Congress 2021

Aufbruch in eine neue Zeit – Mit Asset Based Finance den Strukturwandel und die Klimawende finanzieren

Nachberichterstattung

Corona und die wirtschaftlichen Auswirkungen treten langsam in den Hintergrund. Nun blickt Europa auf den Klimawandel und seine Herausforderungen. Im Zuge des angestrebten European Green Deals hat die EU-Kommission einen Regulierungspfad eingeschlagen, der Real- und Finanzwirtschaft in ihren Kernfunktionen betrifft und weitgehende Auswirkungen auf die Wirtschaft, ihre zukünftige Struktur und vor allem ihre Finanzierung haben wird.

Digitalisierung und nachhaltige Transformation der deutschen Wirtschaft

Schon zu Beginn des Kongresses, in ihrer Eröffnungsrede, setzte Frau Dr. Sabine Mauderer, Vorstand der Deutschen Bundesbank, den Diskussionsrahmen. Digitalisierung und nachhaltige Transformation der deutschen Wirtschaft werden Milliarden kosten. Das Geld wird vorwiegend von der Privatwirtschaft aufzubringen sein und die Verbriefung kann dazu einen Beitrag leisten, zumal Deutschlands Wirtschaft in hohem Maße bankbasiert finanziert ist, wie auch viele andere Länder der EU. Nun sind Deutschlands Unternehmen, wie auch Jan Kupfer, Mitglied des Vorstands der Unicredit Bank auf dem Eröffnungspanel herausstellte, nach der Coronakrise gut aufgestellt. Doch der hohe Finanzierungsbedarf ist eine Herausforderung, bei dem die neue EU-Nachhaltigkeitsregulierung bereits ihre Spuren hinterlässt, denn nicht jedes Unternehmen wird in Zukunft damit rechnen können, bereitwillig Finanzierungsmittel von Banken zu erhalten.

Die neue Taxonomie, ein Buzzword, dass sich in allen Nischen der Diskussion wiederfand, macht es offensichtlich schwer, manche Unternehmen und Branchen weiterhin zu finanzieren. Zunächst, so bemerkte Michael Schmidt, Chief Investment Officer Lloyds Fonds, ist die Taxonomie erst einmal eine sinnvolle Klassifizierung von Wirtschaftsaktivitäten und keine Regulierungsvorgabe. Wichtig sei die Begleitung der Unternehmen in der Transformation, jedoch mache eine Fixierung der Kapitalmärkte auf die Taxonomieregulierung es diesen zukünftig schwerer, ihre Funktionen zu erfüllen. Im parallel dazu stattfindenden Investor Kick Off war man der Meinung, dass das Sammeln von Daten zur Erfüllung der Taxonomieregulierung bedeutsamer werden könne als die klassischen Investorenfunktion. Was heißt dies für den weiteren Verlauf des Kreditzyklus?

Die Auswirkungen der EU-Nachhaltigkeitsregulierung

Im Überblick zur EU-Nachhaltigkeitsregulierung wurde deutlich, dass diese Regulierungswerke alle bisherigen Finanzmarktregulierungen wahrscheinlich in Volumen und Komplexität deutlich übertreffen werden. Und da hierfür Detaildaten die Grundlage bilden, wird auch die Datenbeschaffung und -verwaltung extrem bedeutsam werden, umso mehr als diese nun oft produktionstechnischer Natur sind und von daher bislang kaum im Finanzierungsgeschäft vorgehalten werden.

An mehreren Stellen der Diskussion wurde die fehlende Kompatibilität der unterschiedlichen, parallel zur Anwendung kommenden Steuerungselemente bei der Nachhaltigkeitsregulierung hinterfragt:

  • Wie passt z.B. eine Wirtschaftssteuerung über CO2-Bepreisung zu einer Technikvorgabe qua Taxonomieverordnung?
  • Wie passt die europäische Regulierung in eine weltweit vernetzte Wirtschaft, bei der viele Zulieferer und Kunden anderen Regeln unterliegen?

Selbst in den vielfältigen, ineinander verwobenen und aufeinander aufbauenden EU-Taxonomieregulierungen scheinen sich bereits jetzt interne Abstimmungsprobleme aufzutun, und es wird eine hohe Unklarheit beklagt, was denn die letztlichen regulatorischen Konsequenzen den erhobenen und veröffentlichten Daten sein würden.

 

Was ist für den europäischen Verbriefungsmarkt zu erwarten?

Im Kern hat die Coronakrise bereits gezeigt, dass gerade Europa einen funktionierenden Verbriefungsmarkt braucht, um die bankbasierte Unternehmensfinanzierung mit den Kapitalmärkten zu vernetzen und eine effiziente Übernahme von Risiken durch Kapitalmarktinvestoren zu ermöglichen. Konsequenterweise wurde im Zuge der Krise die überfällige Gleichstellung von True Sale und synthetischen Verbriefungen schnell umgesetzt; ebenso gab es regulatorische Nachbesserungen, um die Verbriefung von NPLs möglich zu machen. Beides wurde positiv im Markt aufgenommen. Allerdings bedarf es pragmatischer Lösungen bei den offenen Fragestellungen rund um den signifikanten Risikotransfer SRT, damit Geschäftsbanken dieses wichtige Instrument zur Kapitalsteuerung wirksam nutzen können, so Steve Gandy, Managing Director, Head of Private Debt Mobilisation, Notes and Structuring, Santander UK.

Die Bestandsaufnahme der Verbriefungsmarktregulierungen der letzten Jahre wurde überwiegend positiv bewertet, wenn es um Risiko, Transparenz und Standardisierung geht. Auch die Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden hat sich gut entwickelt. Deutlich wurde auf dem TSI Congress zudem, dass der Regulierungszug für den Verbriefungsmarkt keine Pausen kennt. Der berechtigte Wunsch der Teilnehmer nach einem Innehalten und Konzentration auf die Vereinfachung bestehender Regeln – man könnte auch von Nachhaltigkeit der Regulierung an sich sprechen – wurde von Vertretern der EU-Kommission zur Kenntnis genommen. Erste Ergebnisse der laufenden Konsultation zur Überarbeitung der Verbriefungsregulierung hat die EU-Kommission bereits präsentiert, aber es bleibt offen, inwieweit diesem Wunsch entsprochen werden kann.

Die Finanzierung der Realwirtschaft nicht aus den Augen verlieren

Ein besonderes Augenmerk verdient das für die Finanzierung der Realwirtschaft wichtige Segment von privaten und ABCP-Verbriefungen. Hier hat Manfred Waldrich, Head of Conduit Management der LBBW, deutlich gemacht, dass es keine weiteren Belastungen durch die Regulierung geben dürfe, sondern vielmehr zielgerichtete Nachbesserungen beim Thema Transparenzvorschriften vorgenommen werden müssen.

Die neue Nachhaltigkeitsregulierung & Verbriefung

Auf die neue Nachhaltigkeitsregulierung schaut der Verbriefungsmarkt mit sehr gemischten Gefühlen. Einerseits sieht man zehntausende von Seiten neuer Regulierungen auf die Finanzwirtschaft zukommen, die auch Verbriefungen betreffen und hier neue Unsicherheiten schaffen werden. Sicherlich wird es zu einer Erweiterung der bereits jetzt sehr umfangreichen Transparenzvorschriften hinsichtlich ESG kommen. Fraglich ist, inwiefern das erfolgreich etablierte STS-Regelwerk ergänzt wird. Andererseits jedoch hat der Verbriefungsmarkt mehr als alle anderen Finanzmarktinstrumente in den letzten zehn Jahren gelernt mit komplexen Anforderungen umzugehen. Von daher wird er wahrscheinlich weniger darunter leiden als andere, konkurrierende Finanzierungsinstrumente. Und die Herausbildung eines Segments für „Nachhaltige Verbriefungen“ könnte auch eine Chance für die weitere Marktentwicklung sein.

Welche Rolle spielt die EZB aktuell?

Welche Rolle spielt die EZB aktuell? Die EZB bestimmt mit ihrer Geldpolitik weite Teile der Kapitalmärkte; Zinsen und Refinanzierung von Banken hängen direkt mit ihr zusammen. Doch auch die EZB will zukünftig Nachhaltigkeitspolitik betreiben und dazu ihre Geldpolitik an der EU-Nachhaltigkeitsregulierung orientieren. Verbriefungen werden bei Repo-Geschäften von Banken mit der EZB neben Covered Bonds gerne als Collateral genutzt. Von daher fand das Thema auch hohes Interesse. Phillip Kuss von der EZB stellte den angedachten Rahmen vor: So sollen die Transparenzanforderungen des für die Geldpolitik zentralen Sicherheitenrahmenwerks erweitert werden auf Basis von Taxonomieverordnung und CSRD. Prof. Dr. Volker Wieland, geldpolitischer Experte und Berater der Bundesregierung, hielt dagegen. Seines Erachtens mache es wenig Sinn, wenn Institutionen ihre zugedachte Aufgabenverteilung verlassen, Zentralbanken Regierungsaufgaben übernähmen und ihre geldpolitische Funktion auf den Klimawandel ausdehnten.

Welche Inflation rollt auf Deutschland zu?

Thema Inflation: Entgegen allen Voraussagen hat sich seit dem letzten Kongress die Inflation verfestigt. Mit 4,1 % im Monat August hat Deutschland die höchste Inflationsrate seit 28 Jahren. Dem Thema war auf dem TSI Congress das schon traditionelle Wirtschaftsfrühstück am zweiten Kongresstag gewidmet. Der renommierte Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Werner Plumpe zeigte, dass Inflation in der Wirtschaftsgeschichte vor allem ein monetäres Phänomen war, so als Ergebnis der Finanzierung des ersten Weltkriegs, als Ergebnis der US-amerikanischen Dollarschwemme nach 1945 und insbesondere nach dem Verfall des Bretton Woods Abkommen Anfang der siebziger Jahre

Heute sieht er in der niedrigen Produktivitätsentwicklung in Europa, begleitet von einer stark expansiven Zentralbankpolitik, das eigentliche, inflationstreibende Problem im Euroraum. Dies sei besonders bedenklich, so Plumpe, da aufgrund hoher Schulden die meisten europäischen Länder bei einer Normalisierung des Zinsniveaus ihren Zins- und Kapitaldienst nicht mehr leisten könnten. Die EZB sieht er vor diesem Hintergrund eher als politischen Akteur, denn als unabhängige Zentralbank. Inflation führe ab einem bestimmten Punkt dazu, so endete Plumpe, dass historisch gewachsene politische und gesellschaftliche Strukturen radikal infrage gestellt würden. Ein Gespräch, das zum Nachdenken anregt.

Cryto Assets – Tokenisation 4.0

Das Thema Decentralised Finance wurde unter den beiden Aspekten „Securitise the Tokens“ wie auch „Tokenise the Securities“ diskutiert. Ersteres ist relevant für die bei Investoren wichtige Handelbarkeit und Verwahrung von Crypto Assets und Crypto Currencies, letzteres behandelt die elektronische, DLT-basierte Abbildung der gesamten Wertschöpfungskette von Wertpapieren und Verbriefungen. Dabei sind neben der technologischen Entwicklung vor allem der rechtliche Rahmen und eine adäquate Beaufsichtigung relevant, betont Oliver Fußwinkel, Referatsleiter SR3 (Financial Technology Innovations), Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Deutschland nach der Wahl

Das Schlusspanel des Kongresses stand unter der Überschrift „Aufbruch in eine neue Zeit? Aktionsfelder der Wirtschafts-, Finanz- und Umweltpolitik für Deutschland in Europa“

Wie ist das verstockte Deutschland zukunftsfit zu machen – mit dieser Frage stieg der Moderator Stephan-Götz Richter, Chefredakteur und Herausgeber, The Globalist und Global Ideas Center, ein. Einig war man sich über die Parteigrenzen Grüne – Liberale hinweg: Es muss eine Regierung der Projekte werden und darf keine weitere Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners geben. Und: Das Ziel muss sein, klimaneutral zu werden, ohne die Wirtschaft zu vertreiben. Notwendig dafür ist Klarheit, auch Sicherheit für Übergangstechnologien. Deutschland stehe, so Dr. Dorothea Siems, Chefökonomin von „Die Welt“, weltweit klimapolitisch nicht gut da. Nicht nur die Unionsparteien bräuchten eine Rückbesinnung auf die bewährten marktwirtschaftlichen Prinzipien. Dies sei eine Grundvoraussetzung, um in einer möglichen neuen Koalition klimapolitisch erfolgreiche Akzente zu setzen.

Versorgungssicherheit im Stromnetz ist laut Kerstin Andreae, Vorsitzende der Geschäftsführung der BDEW, eine wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz klimaneutraler Energiebereitstellung. Von daher müsse man den Energieimport sicherstellen, neue Gaskraftwerke würden gebraucht und auch die Planungsverfahren für neue Windkraftwerke müssten schneller ablaufen sowie die Wasserstofftechnologie schneller vorangebracht werden. Man müsse schnell mit alten Irrtümern aufräumen und alles braucht natürlich auch Finanzierung, ein Umstand, auf den vor allem Dr. Levin Holle von der Deutschen Bahn hinweist. Und natürlich – so Dr. Lukas Köhler von der FDP – geht dies nicht mit den bestehenden Rahmenbedingungen im Strommarkt. Diese müssten schnell geändert werden und marktwirtschaftlich und effizient gestaltet werden.

Doch wenn es konkret wird, fehlen – auch dies wurde klar – die ineinandergreifenden Gesamtkonzepte. Der europäische Taxonomieansatz sei dafür zu starr und zu wenig praktikabel – so die Einschätzung von Levin Holle. Es gebe einfachere, schneller wirkende Steuerungsinstrumente. Der ganze Transformationsgedanke fehle in dem starren Taxonomieansatz – so Frau Prof. Ines Zenke, Vizepräsidentin des Wirtschaftsforums der SPD.


Ihre Ansprechpartnerin
Monika Beye

Direktorin
Key Account Management, Marketing und PR
Telefon: +49 (0)69 2992-1733
E-Mail: monika.beye@tsi-gmbh.de

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