TSI Kongress 2011 -
Chancen deutscher Verbriefungen auf Europas Kreditmärkten

Der TSI Kongress 2011 in Berlin fand am 29. und 30. September 2011 bereits zum fünften Mal statt. Knapp 700 Teilnehmer aus Banken, Wirtschaft, Investoren, Kanzleien, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Ratingagenturen, Zentralbanken, Aufsicht und Politik diskutierten in über 40 Panels, Workshops und Roundtables über die relevanten Themen rund um die Kredit- und Verbriefungsmärkte.

 

 

Folgendes Resümee kann gezogen werden:

Die größte Gefahr für die finanzwirtschaftliche Stabilität in Europa ist die Schuldenkrise Südeuropas und die ungesicherte Zukunft des europäischen Währungssystems. Hier steht die Politik, insbesondere auch Deutschland, in der Verantwortung, die Gründungsfehler des europäischen Währungssystems durch eine weitere Vertiefung der wirtschaftlichen Integration sowie die Stützung Südeuropas zu überwinden. Dies betonte auch der Präsident des Bundesverbandes des Groß- und Außenhandels, Herr Anton F. Börner, auf dem Schlusspanel des TSI Kongress 2011. Konkret geht seine Forderung an die Politik, die er auffordert, aufzuhören "die Rettung scheibchenweise" zu betreiben. Stattdessen fordert er klare Aussagen und überzeugende Beschlüsse zur Rettung der europäischen Währungsunion. "Den Euro kann es nicht in Stückchen geben." Übereinstimmend betonten auch Dr. Michael Meister und Jochen Poß, die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden von CDU/CSU und SPD, dass die Einführung von Eurobonds am Ende eines Integrationsprozesses stehen könne. Dann sei sichergestellt, dass kein Land die gegenseitige Haftung zu Moral Hazard nutzen könne. Prof. Dr. Ester Faia von der Universität Frankfurt brachte ein Konzept besicherter europäischer ABS-Staatsbonds ins Gespräch. Damit könnte vermieden werden, dass die Garantiegeber bei einer Inanspruchnahme belastet würden.

 

 

Europa, vor allem Südeuropa, steht vor einem langen und nachhaltigen Deleveraging-Prozess. Staaten, Investoren und Privathaushalte werden ihre Verschuldungsquoten senken müssen. Dies wird weitgehende Auswirkungen auf das Bankensystem haben. Banken werden Umschuldungen einleiten und begleiten müssen; ungedeckte Finanzierungen werden schwieriger, besicherte Finanzierungen werden demgegenüber gefragt sein.

Die in Gang gesetzten Regulierungen der Banken und Versicherungen werden tiefgreifende Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle der Banken, ihre Kapitalausstattung und Refinanzierung haben. Die Bevorteilung von Kundeneinlagen und Covered Bonds bei der Finanzierung, die Erschwerung besicherter Finanzierungsformen wie Verbriefungen, die gleichzeitige Begünstigung kurzfristiger, liquider Aktiva gegenüber langlaufenden Krediten sowie die Bevorzugung von Covered Bonds und Staatsanleihen bei Bankinvestments wird nicht ohne Folgen auf den Geschäftsprozess von Banken und Form und die Intensität des Deleveraging-Prozesses bei Banken bleiben. Auch gilt es Wechselwirkungen zwischen Covered Bond Begünstigung und neuen Finanzmarktrisiken im Auge zu behalten. So führen die IMF-Mitarbeiter Dr. Andreas Jobst und John Kiff in einem zum TSI Kongress erschienenen Heft der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen aus: "Furthermore, to the extent that covered bond funding replaces unsecured funding, the effectiveness of bank failure resolution frameworks and deposit insurance programs could be adversely impacted." Und Francesco Papadia, Generaldirektor Market Operations von der EZB, stellt hierzu im gleichen Heft fest: "In addition, the increase in issuance raises the question of the optimal share of covered bonds in banks' total liabilities. The increase in covered bond funding leads to higher asset encumbrance. This reduces the protection of unsecured debt and depositors and, beyond a certain point, this becomes suboptimal." In einem Panel mit Dr. Gerhard Schick, dem finanzpolitischen Sprecher Bündnis 90/Die Grünen, zu Fragen neuer Regulierungen wurde dies von ihm ebenfalls hinterfragt; des weiteren ging er kritisch auf das Zusammenspiel von Solvency II und Basel III ein. Die Wirkung der neuen Regulierungen auf die Intermediationsfunktion von Banken einerseits und die Finanzierung der Wirtschaft andererseits wurde insbesondere von den Bankenvertretern pessimistisch beurteilt.

 

 

Europäische, insbesondere deutsche Verbriefungen, haben sich über die Krise hinweg sehr gut entwickelt. Insbesondere bei der Verbriefung von deutschen Auto-, Leasing- und Absatzfinanzierungen sowie Handelsforderungen ist über die Krise hinweg eine außerordentliche Stabilität zu beobachten. Die Performance lag über den Erwartungen. Die Investoren erlitten keine Ausfälle, was im Rahmen des TSI Kongress mehrfach hervorgehoben wurde. So stellte auch der Vertreter der KfW Bankengruppe, Dr. Christian Peter, zusammenfassend für die von der KfW angebotene PROMISE Verbriefungsplattform fest: "Die seit dem Jahre 2000 über unsere Plattform verbrieften Portfolien überwiegend deutscher Mittelstandskredite von verschiedenen Banken haben insgesamt eine gute Performance gezeigt. Die kumulierten Ausfälle in den Portfolien liegen überwiegend unter den Erwartungen bei Transaktionsabschluss, ebenso bewegen sich die Verluste aller Mittelstandstransaktionen im Rahmen der hierfür vorgesehenen Erstverlustpositionen" Dass der deutsche Verbriefungsmarkt immer einen engen realwirtschaftlichen Bezug hat und den konkreten Investitions- und Absatzfinanzierung der deutschen Wirtschaft dient, wurde immer wieder von Vertretern der Wirtschaft und Banken herausgestellt. Dies gilt insbesondere bei der Verbriefung von Autofinanzierungen sowie bei Leasing- und Handelsforderungen. "Die Nutzung von Finanzdienstleistungen sichert sowohl den Umsatz als auch die Beschäftigung bei den Fahrzeugherstellern. Verbriefung wiederum ist ein fester Baustein in unserem Refinanzierungsmix", so Frank Fiedler, Finanzvorstand der Volkswagen Financial Services AG auf dem Eröffnungspanel des Kongresses. Auf einem anderen Kongresspanel waren sich Stefan Leipold von der BayernLB und Hans Jörg Mast von der Landmaschinenfabrik Claas einig, dass die Verbriefung von Handelsforderungen für ein Industrieunternehmen eine sinnvolle Finanzierungsalternative darstellt, die deutliche Vorteile gegenüber einer herkömmlichen Kreditfinanzierung bietet. Und auch Lars Hille, Vorstand der DZ BANK stellt im Schlusspanel die Qualität deutscher Verbriefungen heraus. Sie hätten zu über 90% immer einen realwirtschaftlichen Bezug aufgewiesen und damit der Wirtschaftsfinanzierung gedient.

 

 

Die Behandlung von ABS im Rahmen der anstehenden Regulierungen Basel III und Solvency II sollte der Qualität deutscher und europäischer Verbriefungen mehr Rechnung tragen. Dies wurde insbesondere im Bezug auf die Behandlung von Verbriefungen bei der Liquiditäts Coverage Ratio (LCR) und bei der Behandlung von Verbriefungen in der Solvency II Regulierung für Versicherungen gefordert. Auch in der Diskussion mit Francesco Papadia, Generaldirektor der EZB, wurde die Ungleichbehandlung von Verbriefungen zu anderen Assetklassen angesprochen.

"Verbriefungen müssen einfach strukturiert und transparent sein. Wir kaufen nichts, was wir nicht verstehen", so Dieter Wolf, der Geschäftsführer, der MEAG AssetManagement. Frank Fiedler, Finanzvorstand der Volkswagen Financial Services stellte heraus, dass die Finanzierung des Autoabsatzes eine wesentliche Rolle in der Wertschöpfung deutscher Automobilhersteller darstellt und neben Kundeneinlagen und Schuldverschreibungen ABS die dritte Säule in der Finanzierung des deutschen Autoabsatzes darstellt.

 

 

Der neu geschaffene DEUTSCHE VERBRIEFUNGSSTANDARD wurde in mehreren Panels als Beispiel für qualitativ hochwertige Verbriefungen hervorgehoben. In dem Investorenpanel wurde betont, dass die TSI damit ein Beispiel für den europäischen Verbriefungsmarkt geschaffen habe. Michael Reuther, Vorstand der Commerzbank, kündigte an, dass die Commerzbank für die nächste Mittelstandstransaktion ebenfalls die TSI und den "DEUTSCHEN VERBRIEFUNGSSTANDARD" nutzen werde.